Programm

22. Hallesche FrauenKulturTage

Ars Moriendi – die Kunst des Sterbens

vom  20.10 bis 05.11.2017

Sterben ist ein biologisches Ereignis, das schon immer kulturell beeinflusst wurde und sich im Laufe der sozio – kulturellen Veränderungen dementsprechend formulierte. Bis in die Zeiten der Industrialisierung hinein starben die Menschen in ihrem alltäglichen sozialen Umfeld mit den ihnen nahestehenden Menschen an ihrer Seite. So waren bis zur Moderne die Menschen bestrebt, sich rechtzeitig mit Tod und Jenseits auseinanderzusetzen und der bevorstehende eigene Tod wurde als integraler Bestandteil des Lebens angesehen und akzeptiert. Und unter Ars Moriendi – der Kunst des Sterbens – verstand man die Regelung der letzten Dinge im Hinblick auf das unausweichliche Ende. Sterben war daher kein Akt im Verborgenen, sondern fand öffentlich statt –  die Menschen waren bestrebt, mit Anstand und in Würde zu sterben. Heute ist der Tod aus unserer Gesellschaft herausgedrängt. Er findet in der Regel nicht mehr unter dem häuslichen Dach, sondern größtenteils in Institutionen statt. Anstelle von individueller, familiärer Begleitung von Sterbenden und Akzeptanz des Todes ist ein hoher ökonomischer Standard getreten, wohingegen weltweit kriegsbedingt gestorben wird; Menschen sterben bei Epidemien, durch Verhungern, auf der Flucht, an Wassermangel.

In diesem thematischen Spannungsfeld ist das Programm der diesjährigen FrauenKulturTage angesiedelt.

Unsere diesjährige Schirmfrau, Juliane Uhl, Soziologin, Kommunikationswissenschaftlerin und Autorin, sagt dazu in ihrem Grußwort (Auszug):

Es wird Zeit, dass wir uns emanzipieren, dass wir uns das Sterben und auch die Toten wieder zurückholen, in den Kreis unserer Freunde und Familien. Das Sterben ist ein Teil des Lebens und kann gestaltet werden, innen und außen. Die Kunst des Sterbens – ars moriendi – besteht in der Kunst des Lebens. Denn jede Minute birgt in sich das Leben, egal wie nah wir schon am Tod sind.

Ich freue mich, dass ich in diesem Jahr Schirmfrau der Frauenkulturtage sein darf, bei einem Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich nun schon mit dem Tod und ich konnte erfahren, dass die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit mir eine Lebensintensität geschenkt hat, die kein Ratgeber in der Lage wäre mir zu vermitteln. Denn das Akzeptieren des Todes konzentriert das Leben auf seine Essenz, auf das schlichte und großartige Sein.

 Juliane Uhl

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